
OMR-Studie: Video holt Audio ein – und zieht erstmals vorbei
Was ist passiert?
Erstmals bevorzugen mit 52 % eine knappe Mehrheit der Podcast-Hörenden in Deutschland die Video- gegenüber der Audio-Version. 2025 waren es noch 36 %. YouTube bleibt mit 74 % führende Plattform für Video-Podcasts, Spotify folgt mit 50 %. 70 % der Hörenden konsumieren Podcasts mindestens einmal pro Woche, ein Viertel sogar täglich. Beim Thema Werbung zeigt sich: Knapp ein Drittel hat nach einem Werbespot bereits ein Produkt gekauft. Das sind Ergebnisse der Podcast-Studie 2026, die Podstars by OMR gemeinsam mit dem Marktforschungsinstitut Appinio unter 1’300 Personen in Deutschland durchgeführt hat.
Wieso ist das wichtig?
Der Kipppunkt hin zur Video-Präferenz ist ein bedeutsames Signal – auch wenn 52 % der Video-Nutzenden einen Podcast problemlos als reines Audioformat weiterhören würden. Gleichzeitig bleibt Audio als Begleitmedium stark – Podcasts werden primär beim Haushalt, Einschlafen oder Joggen konsumiert, also in Situationen, in denen kein Bildschirm verfügbar ist. Der Druck, beides anzubieten, wächst aber weiter. Spannend ist auch die Werbeakzeptanz der Hörenden – nenn mir mal ein anderes Medium, bei dem ein Drittel der Konsument:innen eines Mediums gleich zum Portemonnaie greift.

Das Mikrofon gehört noch immer nicht allen
Was ist passiert?
Die US-amerikanische Community-Organisation BIPOC Podcast Creators stellt nach fünf Jahren ihren Betrieb ein. BIPOC Podcast Creators war eine 2021 gegründete Organisation, die BIPOC-Creators durch Vernetzung, Weiterbildung und Partnerschaften unterstützte. Die Schliessung wirft grundsätzliche Fragen zur Nachhaltigkeit community-getriebener Initiativen auf. Mitgründerin Quezada Smith betont, dass dies kein Einzelfall sei: Viele frühere Unternehmenspartner hätten ihre Investitionen zurückgefahren oder seien entlassen worden. Die Branche profitiere zwar enorm von solchen Communities – die Last aber allein auf die Mitglieder abzuwälzen, sei keine Lösung.
Wieso ist das wichtig?
Die Podcast-Branche ist nach wie vor stark von weissen, männlichen Stimmen geprägt – auf Seiten der Machenden wie der Geldgeber. Dabei ist die Hörerschaft längst diverser: Studien zeigen, dass BIPOC-Bevölkerungsgruppen in vielen Märkten überdurchschnittlich viel Podcasts konsumieren. Organisationen, die unterrepräsentierten Creators Zugang, Vernetzung und Sichtbarkeit bieten, sind deshalb wichtig – aber strukturell fragil. Sie leben oft von Corporate Sponsoring, das in den letzten Jahren zurückgegangen ist.

Podigee unterstützt neu Video-Podcasts auf den 3 grossen Plattformen
Was ist passiert?
Podigee ermöglicht ab sofort die Verbreitung von Video-Podcasts auf YouTube, Apple Podcasts und Spotify – für alle Abo-Stufen, ohne Warteliste. Creators laden einmal hoch und bespielen damit alle drei Plattformen gleichzeitig. Auch Captivate bietet neu Video-Distribution zu Apple Podcasts an, allerdings als kostenpflichtiges Add-on für 12 Dollar pro Monat – zuzüglich variabler Bandbreitenkosten je nach Abrufzahl. In beiden Fällen bleibt der bestehende RSS-Feed unverändert, und wo kein Video unterstützt wird, bleibt die Episode als Audio verfügbar.
Wieso ist das wichtig?
Video-Podcasting war bislang oft ein separater, aufwändiger Prozess. Die Integration in bestehende Hosting-Workflows senkt die Einstiegshürde deutlich. Allerdings zeigt das Modell von Captivate, dass Video-Distribution ihren Preis hat: Bandbreite kostet Geld, und wer eine Episode mit hoher Reichweite veröffentlicht, kann schnell mit variablen Zusatzkosten konfrontiert sein. Video ist kein einfaches Upgrade zu Audio – es ist ein eigenständiger Distributionskanal mit eigenen Kosten, eigener Produktionslogik und eigenen Plattformanforderungen.





